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Stefan Eberhardt ein fleißiger Arbeiter


Stefan Eberhardt
(Foto: Gantenberg)
[01.07.2005] "Auf die Junioren-WM hatte ich mich sehr gefreut, auch wenn die Vorbereitungen nicht optimal gelaufen sind. Es war nach der Junioren-EM in Tampere mein zweiter großer internationaler Wettkampf. Deshalb ging ich auch relativ abgeklärt an meinen Vorlauf. Doch schon nach 400 Metern war das Rennen für mich verloren“, erinnert sich Stefan Eberhardt, der am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid über 1.500 Meter Titelchancen hat, an das letzte Jahr.

„Ich bin zu schnell angegangen, 55 Sekunden für die erste Runde. Es kam so wie es kommen musste, ich bin Stück für Stück nach hinten durchgereicht worden und hatte keine Chance, den erwünschten Endlauf zu erreichen. Die Enttäuschung war sehr groß und die Freude auf die Anschlusstage in der Toskana hielten sich in Grenzen", erzählt er weiter.

Diese Geschichte mag sich im ersten Moment unbedeutend anhören, mag eine Geschichte sein, die einige deutsche Nachwuchsläufer in ähnlicher Form erzählen könnten. Doch im Grunde erzählt er damit mehr als nur ein Ereignis, im Grunde erzählt er seinen bisherigen Werdegang, erzählt, wie es ihm schon oft ergangen ist. In Deutschland absolute Spitze, international kein überzeugendes Rennen.

Niveau erarbeitet

Aber er hat sich ein Niveau erarbeitet, hat sich nach oben gekämpft und hat es dann auch geschafft, in den letzten Jahren international starten zu können. Und Stefan Eberhardt ist nicht darauf angewiesen, in der Jugend internationale Spitze zu sein, vielmehr hat er einen langfristigen Plan, hat Zeit und ganz entscheidend: mittlerweile einen Schatz an internationaler Erfahrung.

Und um dies alles erreicht zu haben, hat der junge Erfurter Jahre durchlaufen, die man hätte auch in Lehrbücher verfassen können. So gezielt, so behutsam und kontinuierlich wurde er von der B-Jugend an aufgebaut, hat ihn das Erfurter Lager um Trainer Dieter Hermann geformt. Alleine die Tatsache, dass er in dieser Zeit alle möglichen Kader durchlaufen hat, spricht schon eine deutliche Sprache.

"Erst habe ich Fußball gespielt, bevor ich in der zweiten oder dritten Klasse mit der Leichtathletik begonnen habe", kann sich der Erfurter nur noch sehr wage an seine Anfänge erinnern. "Mit ein paar Freunden bin ich zum VfB Schleiz. Die Leichtathletik lag nahe, da meine Mutter früher auch diesen Sport betrieben hat."

Entscheidende Größe

"Nach der Mittleren Reife hat mich Herr Hermann angesprochen und gesagt, dass es in Erfurt doch eine bessere Laufgruppe gebe." Dort hat sich Stefan Eberhardt beworben. "Einen Platz hatten sie noch frei. Die haben mich aber nicht wegen meiner Leistung genommen, sondern wegen meiner Größe." Auf über 1,90 Meter ist der 20-Jährige heute aufgeschossen.

In Erfurt wird das Potential angeschaut, wird der Athlet nicht nach seinem Ist-Zustand beurteilt, sondern vielmehr nach dem, was aus ihm werden könnte. Bei Stefan Eberhardt wurde ein großes Potential gesehen. "Dort war ich dann auf einem Internat und hab ein Sportgymnasium besucht." Die Bedingungen waren also schon damals optimal, die Dinge nahmen über die ersten Erfolge im Nachwuchsbereich ihren Lauf.

Nachdem er diesen Mai nun sein Abitur gemacht hat und aus dem Internat in eine Erfurter Wohnung gezogen ist, wird er wohl bei der Sportfördergruppe der Polizei weiter professionell trainieren können. "Das ist im Prinzip das selbe wie beim Bundesgrenzschutz." Groß andere Hobbys außer dem Sport hat Stefan Eberhardt nicht, denn der Laufsport steht über allem.

Reserven bei der Ernährung

"Bei meiner Ernährung gibt es sicher noch Reserven, da achte ich eigentlich kaum drauf. Auch Fastfood muss mal sein. Allerdings schau ich schon drauf, dass ich viel Obst und Gemüse esse und ein geregeltes Mittagessen habe. Aber im Großen und Ganzen ernähre ich mich ungesund", bekennt der Läufer ehrlich.

Stefan Eberhardt hält nicht viel von diversen Energieriegeln oder Drinks. Von Alkohol schon gleich zweimal nichts. "Hin und wieder nehme ich eine Vitamintablette, aber sonst nichts. Auch bin ich nicht so der große Esser. Normale Portionen reichen mir schon." Am Ende fügt er noch hinzu: "Doch am liebsten esse ich daheim, da schmeckt es mir doch am Besten."

Glaube an das Ziel

Stefan Eberhardt zeigt keine großen Emotionen, ist eher ein fleißiger Arbeiter, der von seinem Trainer auf einem vielversprechenden Weg begleitet wird. Einer, der nicht weiß, wie viele Deutsche Meistertitel er insgesamt gewonnen hat, einer der nicht den Eindruck macht, als könne ihn etwas aus der Ruhe bringen. Er glaubt an sein Ziel, dass merkt man ihm an.

Da mag sein Privatleben noch so unspektakulär sein, mögen seine abgelieferten Leistungen wie Selbstverständlichkeiten klingen. Dieser Mann wurde optimal von der Jugend an aufgebaut, er weiß schon, welche Zeit er in zwei Jahren über die 1.500 Meter laufen will.

Wenn manche die Beine hochlegen, arbeitet Stefan Eberhardt noch, arbeitet an seinem Traum, denn er weiß etwas. Nur mit Fleiß und Disziplin gelangt er zu diesem. Da spielt es auch keine große Rolle, dass er international noch keine Erfolge aufweisen kann. "In Grosseto war ich einfach übermotiviert und wollte mit den afrikanischen Läufern mithalten. Das war noch nicht möglich", sagt er und kommt damit auf den Punkt.

Moral nach Rückschlägen

Stefan Eberhardt besitzt etwas ganz Entscheidendes, etwas das große Athleten auszeichnet. Das ist die Moral, die Moral nach Rückschlägen wieder und wieder alles auf eine Karte zu setzen. Diesen Mut muss man besitzen, auch wenn man dafür erst Lehrgeld bezahlen muss.

Jetzt ist er mit seinen erst 20 Jahren mit seiner persönlichen Bestzeit aus diesem Sommer von 3:40,86 Minuten in der der deutschen Männerspitze angekommen und das Ziel für diese Saison ist klar. "Bei der U23-EM in Erfurt will ich in den Endlauf und unter 3:40 soll's schon noch gehen. Langfristig sind natürlich die Olympischen Spiele das, was ich erreichten möchte." Stefan Eberhardt zweifelt nicht an seinen Zielen.
(stf)