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Toni Mohr - Der Läufer mit dem Kämpferherz


Toni Mohr
(Foto: Gantenberg)
[13.05.2005] Der Mann hat ein Kämpferherz. "Nur die Harten komm' in Garten", bemerkt er trocken hinsichtlich der zahlreichen Tempoeinheiten, die er allein in Cottbus abspulen muss. Augen zu und durch heißt es zwölf Mal die Woche, die Schmerzen in der Achillessehne vergessen. Doch die Schinderei soll sich lohnen. Toni Mohr will bei der Europameisterschaft U23 in Erfurt (14. bis 17. Juli) eine Medaille.

"Ich habe nie etwas anderes gemacht als zu laufen", erinnert sich der heute 21-Jährige an seine ersten Schritte in der Leichtathletik. Durch eine Sportschulsichtung wurde Rainer Kruk vor neun Jahren auf ihn aufmerksam und nahm den talentierten Jungen unter seine Fittiche. Bis heute sind die beiden ein eingespieltes Team.

"Ich wollte eigentlich 5.000-Meter-Läufer werden", überlegt der Mann vom LC Cottbus. Doch 1.500 Meter seien halt etwas kürzer und momentan liege ihm diese Strecke besser. "Ich bin recht schnellkräftig", analysiert er. Eine Fähigkeit, die ihm auf der Mittelstrecke zu Gute kommt.

Fünfter bei Junioren-WM

Von seinen Fähigkeiten hat er bereits 2002 alle überzeugt. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Kingston (Jamaika) lief er auf den fünften Platz, war damit bester Europäer über 1.500 Meter. "Das war bislang mein schönstes Ergebnis", erinnert sich der junge Athlet, der seine Freizeit mit Rennrad fahren und Billard spielen verbringt.

Auch die großen Manager sind schon auf den schnellen deutschen Mittelstreckler aufmerksam geworden. Jos Hermens, der so namhafte Athleten wie die äthiopischen Stars Haile Gebrselassie und Kenenisa Bekele vertritt, kümmert sich um die Startgelegenheiten von Toni Mohr. In solch einem "Rennstall" verliert man schnell die Scheu vor großen Namen. "Ich habe Kenenisa Bekele schon des öfteren bei einigen Meetings getroffen und wurde ihm vorgestellt", erzählt Toni Mohr nicht ganz unbeeindruckt.

Peking als Fernziel

Im letzten Jahr lief er seine Bestzeit von 3:39,55 Minuten und belegte mit dieser Zeit den sechsten Platz der europäischen U23-Bestenliste. Keine Überraschung also, dass auch der DLV auf ihn setzt. Toni Mohr ist Mitglied des Top-Team-Peking-Kaders für 2008. Der Traum von den Olympischen Spielen schwebt über allem. "Peking ist die Motivation für mich im Training", verrät Toni Mohr.

Momentan jedoch läuft er einem zweimonatigen Trainingsrückstand hinterher. "Eine Woche nach dem Hallenmeeting in Chemnitz Ende Februar ging nichts mehr", weiß Toni Mohr zu berichten. Die Achillessehne schmerzte höllisch. "Da half nur eine Kortisonspritze", sagt der amtierende deutsche Junioren-Meister. Statt Dauerlauf war nun Aqua-Jogging angesagt.

Schmerzen in Achillessehne

Dann begann die große Suche nach der Ursache. "Wir waren bei so vielen Ärzten und alle haben was anderes erzählt. Mittlerweile sieht es aber nach einem Beckenschiefstand aus", erzählt der Mittelstreckler. Einlagen für seine Schuhe sollen nun Abhilfe schaffen. Währendessen ist er aber wieder im Stadion zu finden, um sich auf kommende Aufgaben in der neuen Saison vorzubereiten.

"Schade, eigentlich wollte ich beim Heimmeeting in Cottbus am 5. Juni mit einem Knaller in die Saison starten", sagt der Polizeimeister-Anwärter, der beim Bundesgrenzschutz seine Ausbildung absolviert, und Enttäuschung klingt in seiner Stimme mit. Dieser Knaller muss gezwungenermaßen verschoben werden und wird aller Voraussicht nach am 18. Juni bei der DLV-Junioren-Gala in Mannheim gezündet.

Medaille in Erfurt das Ziel

In Erfurt soll es dann ganz schnell werden. 3:37,50 Minuten sind angepeilt. Und damit nicht genug. "Die Zielstellung ist eine Medaille", definiert der ehrgeizige Athlet gewohnt zielstrebig seine Vorstellungen. Allerdings werde er nur starten, wenn er wirklich fit sei. Im Stadion und mindestens genauso aufgeregt wie er selber, werden dann Familie, Freunde und seine Freundin Steffi, mit der er in Cottbus lebt, sein. "Das gibt noch mal einen Extra-Motivationskick", freut sich Toni Mohr.

"Klar wäre es auch schön gewesen, wenn die EM im Ausland stattgefunden hätte, da hätte man weniger Druck gehabt", überlegt er kurz, fügt dann aber schnell hinzu: "Damit muss man umgehen können". Wie gesagt, Toni Mohr ist ein Kämpfer. (an)